Der Luftfilter 
Kaum beachtet - dennoch wichtig
Vorstellung des Spacy

Wie ich zum Spacy kam 

Spacy fahren

Operation Auspuff

Montage des Auspuffs

Ein paar Worte zum Öl

Wechsel des Motoröls

Der Luftfilter

Kunststoffpflege 

Reparatur der Verkleidung

Benzin und seine Probleme

Geschichtliches

Werkzeug

Impressum Datenschutz

 

Ein unspektakuläres, aber dennoch wichtiges Bauteil an einem Verbrennungsmotor ist der Luftfilter. Er reinigt die für die Verbrennung des Kraftstoffs notwendige Luft von Staub und anderen Schwebeteilchen. Auch wenn die Luft sauber aussieht, enthält sie doch eine Menge Staub. Dieser Staub kann sich im Vergaser ablagern und dort feine Bohrungen verstopfen und besonders an Kolben und Zylinder zu erhöhtem Verschleiß führen. Die meist verwendete Bauart von Luftfiltern ist heute der Papierfilter.

Mehrere Lagen spezielles Papier mit winzigen Poren werden zu Zickzacklagen zusammengefügt und in ein Gehäuse eingepasst. Durch diese Bauweise hat der fertige Luftfilter eine wirksame Oberfläche von mehreren Quadratmetern.

Ein Einzylinder- Viertaktmotormotor mit einem Hubraum von 125 ccm saugt bei jeder zweiten Umdrehung eben diese 125 ccm Luft an. Das ist nicht viel, oder scheint zumindest so. Aber: bei einer Drehzahl von 8000 Umdrehungen pro Minute -etwa 85 km/h- sind das immerhin 500 Liter pro Minute, ein halber Kubikmeter! Zweitakter sogar die doppelte Menge.

Papierluftfilter

Ein verschmutzter Filter hat logischerweise nicht mehr den vollen Durchsatz, er setzt der Luft mehr Widerstand entgegen als ein sauberes Exemplar. Die Folge davon sind Leistungsabfall und erhöhter Kraftstoffverbrauch. Darum sollen Luftfilter regelmäßig überprüft und ausgetauscht werden. Reinigungsversuche sind von vornherein zum scheitern verurteilt.

Es gibt noch sogenannte Sportluftfilter, die aus einem Drahtgewebe bestehen. Die sollen der Luft weniger Widerstand entgegensetzen und, theoretisch, so zu mehr Leistung führen. Eine nennenswerte Reinigungswirkung haben diese Drahtfilter nicht. Allerdings muss für mehr Luft auch mehr Benzin kommen, für wirkliche Leistungserhöhung müsste auch eine größere Hauptdüse her, was erhebliche Anpassungsarbeiten erfordert.

Sportluftfilter, kaum reinigende Wirkung,
keine merkliche Leistungssteigerung

Wenn solche Sportluftfilter wirklich Mehrleistung brächten, wären sie auch eintragungspflichtig. Der ADAC hat, wenn auch nur bei Pkw, solche Filter getestet. Mehrleistung konnten die Prüfingenieure nicht feststellen. Im Gegenteil, bei einem der getesteten Filter sank die Leistung sogar messbar ab. Die Filterleistung war meist geringer, und damit auch der Verschleiß höher. 

Der gesamte Ansaugprozess scheint recht einfach zu sein. Tatsächlich ist es ein komplizierter Vorgang, denn die Luft wird in Schwingungen versetzt und quasi mit Schwung in den Vergaser geleitet. Wir habe es also auch hier mit einem Resonanzsystem zu tun.

Wenn man sich den Luftfilterkasten des Spacy genauer ansieht, fällt auf, dass die Luft nicht einfach so hereinkommt. Etliche Röhren mit unterschiedlichen Maßen sitzen gleich im Eingang. Das ist nicht zufällig so, sondern bildet ein genau berechnetes System. Der Luftfilterkasten hat mehr Einfluss auf die durchströmende Luftmenge als der eigentliche Filter. Jeder Eingriff in dieses System führt nur zu einer Verschlimmbesserung und mehr Geräusch. Da auch das Luftfiltergehäuse als KMKV8E1 in der Zulassung eingetragen ist, können Manipulationen hier zum Verlust der Betriebserlaubnis führen. Bei einem Unfall kann das sogar den Verlust des Versicherungsschutzes bedeuten und strafrechtliche Konsequenzen haben. Also besser Finger weg.

Kontrolle und Austausch des Luftfilters sind nicht schwierig. Es werden benötigt:

   Schraubenschlüssel SW 10 oder Ratsche mit Nuss SW10
   Kreuzschlitzschraubendreher
   neuer Luftfilter

Nach Abnahme der linken hinteren Seitenverkleidung wird der Deckel des Luftfiltergehäuses nach lösen von drei Kreuzschlitzschrauben entfernt. Der Filtereinsatz ist nun zu sehen. Im Neuzustand ist der Papiereinsatz je nach Hersteller gelb oder rot, auf jeden Fall aber eine lebhafte Farbe. Wirkt das Filterpapier angeschmuddelt, ist der Austausch ratsam. Îm Wartungsplan des Herstellers ist alle 12.000 km ein Austausch vorgesehen. Versuche, den Filter durch auswaschen in Benzin oder aussprühen mit Bremsenreiniger zu säubern bringen nichts, der Schmutz wird nur nach innen getrieben und nicht entfernt.

Der alte Filter kann mit einer Schraube gesichert sein, dieser Filter ist leider schlecht oder gar nicht mehr zubekommen. Der Ersatz, z.B. Hiflo HFA1109 hat die Befestigung nicht mehr, ist aber dennoch uneingeschränkt geeignet. Bei der Gelegenheit auch das Innere des Gehäuses und den Deckel reinigen, aber aufpassen, dass keine Flusen aus dem Putzlappen in den Luftkanal zum Vergaser geraten. Anschließend den neuen Filter einsetzten, er sitzt recht stramm in der Öffnung.

Nachdem der Deckel wieder an seinem Platz ist, die drei Schrauben wieder einsetzen und mit etwas Gefühl anziehen. Kommt hier zu viel Kraft zum Einsatz, können die Gewinde im Kunststoff ausreißen. Zum Schluss das Seitenteil wieder anbringen.

Versuchsweise kann man kurz den Motor starten, wenn weder der Luftfilter noch der Deckel des Luftfiltergehäuses angebracht sind. Die Geräuschentwicklung ohne diese Bauteile ist erheblich, der Filter und das ihn umgebende Gehäuse dämpfen das Ansauggeräusch auf ein erträgliches Maß.

Was über die Verhältnisse im Ansaugtrakt geschrieben wurde, gilt in gleichem Maße auch für die Abgasseite des Motors. Auch der Auspuff ist nicht einfach nur ein Rohr mit einer Blechdose in der Mitte. Wenn das Abgas aus dem Zylinderkopf des Spacymotors ausströmt, fließt es durch ein Rohr einmal um den Auspufftopf herum. Dieses Rohr wird etwa in der Mitte etwas aufgeweitet, um dann in ein Stück mit deutlich größerem Durchmesser überzugehen. Erst dann geht es in den Topf. Der hat in seinem Inneren ein Labyrinth aus Querschotten mit definierten Öffnungen. Die ganze Abgasanlage dient nicht nur der Geräuschdämpfung, sondern ist ebenfalls ein Resonanzsystem. Dieses System ist so abgestimmt, dass es besonders bei höheren Drehzahlen durch die schwingende Gassäule Altgas aus dem Brennraum saugt. Dadurch wird der Füllgrad mit frischen Benzin- Luftgemisch und damit auch die Leistungsentwicklung verbessert. Auch der Auspuff ist ein in der Zulassung bzw. ABE definiertes Bauteil, beim Spacy der Typ MKV8K. Bei Veränderungen gilt das oben zum Luftfilter Gesagte.

Sowohl auf der Ansaug- als auch auf der Abgasseite sind die Durchflussmengen und die Strömungsverhältnisse sorgfältig und fein aufeinander abgestimmt. Hobbymäßige Umbauten führen darum kaum zu wirklichen Verbesserungen, bestenfalls zu mehr Geräusch. Eher bringen solche Umbauten Ärger wegen erloschener Betriebserlaubnis. Auch die Zuverlässigkeit und die Alltagstauglichkeit können sich verschlechtern. Ernsthaftes Tuning zur Leistungssteigerung bleibt Spezialisten vorbehalten und hat nur Sinn, wenn man abseits öffentlicher Straßen Motorsport betreibt. Wer mit einem leistungsgesteigerten Fahrzeug im Bereich der StVZO unterwegs sein will, muss diese Änderungen von Sachverständigen abnehmen und in die Papiere einragen lassen.

Ob ein fast dreißig Jahre alter Spacy als Rennroller taugt? Eher nicht.

 

nach oben

Startseite

Index_2